Mein Bahn-Manifest

Gesundheit und Bahn: Zwei Welten stoßen aufeinander.

Seit mehr als vier Jahren bin ich mittendrin im System Eisenbahn. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es am Anfang für mich ein Kulturschock war.

Was mache ich als Trainerin und Coach für Gesundheitsthemen überhaupt bei der Bahn? Wie geht es mir als „Fachfremde“, wenn ich mich mit den Schulungsinhalten für die Lokführer-Ausbildung befasse?

Könnte ich nicht an anderen Stellen viel schneller Menschen finden, die sich für Gesundheit interessieren?
Ganz bestimmt könnte ich das.

Aber ich habe Gründe, warum ich bleibe: Ich möchte das System Eisenbahn in Bewegung bringen und festgefahrene Strukturen mit Leben füllen, weil ich weiß, dass bei all der Technisierung und Automatisierung der einzelne Mensch bei der Bahn oft auf der Strecke bleibt. Das geschieht zu Lasten der Gesundheit und damit auch zu Lasten der (eigenen) Sicherheit. Als Schulleiterin der Lokfahrschule Railconzept geht es mir um viel mehr, als darum, dass unsere Teilnehmer den „Triebfahrzeugführerschein nach Anlage 6 + 7 “ in der Tasche haben. Mir geht es in gleicher Weise um die Gesundheit und um Trainings, die auch im Kopf bleiben. Doch die Bahn macht es mir dabei nicht leicht. Äußere Faktoren bringen mich immer wieder an Grenzen, die ich überwinden möchte. Ich hätte schon viele Gründe gehabt, die Segel zu streichen bzw. auszusteigen.

Warum ich bleibe?
In vielen Eisenverkehrsunternehmen und auch bei uns in der Schule treffe ich auf viele „Eisenbahner“, die für die Bahn brennen und zugleich die Veränderung suchen. Ich bin der Überzeugung, dass es eine Vielzahl struktureller und ideeler Möglichkeiten gibt, die Attraktivität und Sicherheit der Bahn stärker zum machen.

Mein Bahn-Manifest beschreibt meine Haltung zu der schon seit zu langer Zeit „vertechnisierten“ Branche. Der Streik der Bahn und auch der Lokführermangel (trotz der guten Vergütung) sind ja kein Zufall. Sie sind die Folge jahrelanger verfehlter Bahnpolitik und Bahnkultur. Mit meinem Bahn-Manifest liste ich die Themen auf, die aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen wichtig und möglich sind, das System besser zu machen:


Ich bin der festen Bahn-Überzeugung, dass….

  1. Regelwerke, Vorschriften und Weisungen, welche die Basis eines sicheren Ablaufs sind, dringend einer „gehirngerechten“ Überarbeitung unterzogen werden müssen. Die oft verschachtelte Sprache, die Komplexität der Inhalte und insbesondere auch die nicht enden wollende Menge, mag vielleicht Regelbuchautoren vertraut sein. Schließlich haben diese tagtäglich mit ihnen zu tun. Für den Lokführer, der diese aber auch praktisch umsetzen muss, sind diese schlichtweg nicht gemacht.
  2. mentale Gesundheit bereits in der Ausbildungszeit eine wichtige Rolle spielen und damit Themen rund um die Gesundheit Selbstverständlichkeit werden sollten. Eine „hinter vorgehaltener Hand-Kultur“, die zwischenmenschliche Themen und mentale Irritationen tabuisiert, schadet nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Gesundheit. Ein ehrliches Interesse an Gesundheitsthemen hingegen stärkt langfristig das System.
  3. ….Pausen im Arbeitsalltag nicht nur auf dem Papier dokumentiert werden sollten. Pausen sollten tatsächlich Phasen der Regeneration sein, um die Aufmerksamkeit wahren zu können.
  4. Ernährung im Arbeitsalltag eines Lokführers eine wichtige Rolle spielen muss. Insbesondere wer im Schichtdienst tagelang unterwegs ist, sollte die Möglichkeit haben, sich gesund zu ernähren.
  5. … das Sicherheitsmanagmentsystem, das von der Europäischen Kommission „gefordert“ wird, eine wirkliche Chance für die Branche sein kann. Voraussetzung dafür ist aber, dass dieses nicht nur zu einer Ansammlung theoretischer Instrumentarien entgleist oder in sinnloser Software versinkt, sondern tatsächlich als Grundlage betrachtet wird, eine Sicherheitskultur zu schaffen.
  6. … eine unabhängige Prüfungskommission die aktuell sehr unterschiedlichen Prüfungsordnungen ablösen sollte, damit sich eine Einheitlichkeit und eine Qualität entwickeln kann, die an Transparenz gewinnt und zugleich den angehenden Triebfahrzeugführern eine klare Richtung vorgibt.
  7. Präsenzschulungen erhalten bleiben müssen. Reine Online-Schulungen können nicht das zwischenmenschliche Potenzial der Präsenzschulen ersetzen. Daher müssen praktische Übungen, Praxistage und regelmäßige Simulatorschulungen zu jeder Lokführerausbildung gehören.
  8. Regelmäßigkeiten im Arbeitsalltag trotz des Schichtsystems für die Regeneration essentiell sind und einen großen Einfluss auf die mentalen Fähigkeiten des Lokführers haben.
  9. Stressmanagement ein wichtiges Thema im Ausbildungs- und Berufsalltag des Lokführers ist. Ein Training zur Vorbereitung auf akute Belastungen durch Personenunfälle oder Schienensuizid muss Standard werden und endlich raus aus dem Tabu-Bereich.
  10. Kommunikation unterschiedlicher Akteure im Eisenbahnsystem das Verständnis fördern kann. Damit kann eine Vielzahl der „hausgemachten Probleme“ vermieden werden. Ein ehrliches Interesse an den Aufgabenbereichen anderer kann meiner Überzeugung nach viel verbessern.
  11. Lokführermangel Geschichte werden kann, wenn die Begeisterung, die dieser Beruf mal ausgelöst hat, „wiederentdeckt“ wird und der Lokführer bei der Gestaltung der Veränderungsprozesse einbezogen wird.
  12. …viel mehr Menschen Mut brauchen, dieses System wirklich zu verändern.

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Hallo, ich bin Marion Abend, Trainerin, Beraterin und Coach für Empowerment im System Eisenbahn

Gemeinsam entwickeln wir die Ziele und Wege, die für eine gesunde Weiterentwicklung wichtig sind.

  1. Liebe Birgit, mit "Vertrauen" sagst du etwas so Wichtiges. JEDER Mensch zählt jetzt so viel, JEDER kann Vertrauen schaffen. Und…

  2. Liebe Marion, ich kann nur bestätigen, dass es ein richtig gutes Gefühl ist, in der eigenen Kleinstadt die Menschen auf…

  3. Liebe Moni, danke für deine tolle Rückmeldung. Ich freue mich sehr, dass du meinen Artikel gerne gelesen hast.

  4. Liebe Marion, danke für deinen Artikel! Ich habe ihn mit Spannung gelesen. Ich kenne Richard Bandler bis jetzt nur online…

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